abgerissene Hotels und Gaststätten (seit 1989)

     

 

 

  Mit Abrissbirne, Bagger und Baugerüst

                            unterwegs in Mühlhausen.

 

 

       Ich möchte sie zum ersten Teil einer etwas ungewöhnlichen Seite über Mühlhausen einladen.

Dazu begeben wir uns in die jüngere Vergangenheit der Stadt. Ich möchte ihnen Bildmaterial aus den Jahren 1990 bis heute zeigen und sie an Orte führen, die so heute nicht mehr existieren oder neu gestaltet wurden. Die Aufnahmen zeigen Abrisse und Umbauten in der Stadt hautnah.

Begleiten sie mich also auf diesen Seiten mit Abrissbirne, Bagger und Baugerüst durch das Mühlhausen der letzten 25 Jahre.

ehemalige Hotels und Gaststätten

                   Hotel Stadt Mühlhausen(HoStaMü)

                               und seine Vorgänger         

Dieser Teil des Untermarktes, der einmal Töpfermarkt hieß, wurde bereits 1968/69 grundlegend umgestaltet. Die früher dort stehenden Häuser wurden für den Neubau des HoStaMü abgerissen.

  

  Erfurter Straße mit Hotel "Englischer Hof" um 1913                       Untermarkt mit Hotel "Schlenker" und Tankstelle um 1952

Der Ursprung dieses Gaststättenstandortes geht auf die Mitte des 17. JH zurück. Das Gasthaus hieß damals "Goldener Engel" und war eine verrufene Taverne. Mitte des 19. JH wurde aus dem "Goldenen Engel" der "Englische Hof", Anfang des 20. JH der "Kaiserhof". Später wechselte der Name erneut in "Hotel Schlenker", nach dem damaligen Besitzer Paul Schlenker. Bis zum Bau des HoStaMü behielt es diesen Namen, bei den Bürgern der Stadt sogar noch länger.

                                            

                               Abrissbeginn Untermarkt-Ostseite 02/1968                                Richtfest Neubau 10/1968

1968/69 wurde hier das erste mal massiv abgerissen, neu gebaut und umgestaltet. Pünktlich zum 20. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1969 war alles fertig.

        

       Hotel Stadt Mühlhausen mit Pilsener Bierstube 1972                   Untermarkt (ehem. Töpfermarkt) mit Hotel Stadt Mühlhausen 1985

       

                                                                      1972                                                                                                1973                                                        1975

Es entstand, unter Einbeziehung des alten "Schlenkers", ein moderner Neubau mit Bierstube, Restaurant und Tanzbar, dem so genannten "U-Boot".

      

    Hotelrestaurant                                                   Pilsner Bierstube                                                     Tanzbar (U-Boot)                                 um 1970

29 Jahre hatte dieser Bau Bestand. Sehen wir uns den Eingangsbereich kurz vor dem Abriss 1998 noch einmal an. Erst die Plattenbauseite mit Restaurant links neben dem Eingang gefolgt vom Altbau mit Bierstube rechts neben dem Eingang, sowie das Gaststättenschild. auf der Hausecke zur Erfurter Straße.

      

    Restaurant (Neubauseite)                                   1998     Bierstube (seit 1990 Stadt - Restaurant)        1998       Gaststättenschild   1998

                   

           einige Tage vor Abrissbeginn 1998

der Abriss

Im Spätsommer des Jahres 1998 rückten die ersten Bagger, Abrissbirnen und -hämmer an. Im Gegensatz zum Hotelbau 1968/69 machten sie aber diesmal vor dem Altbau, in dem die Pilsner Bierstube untergebracht war, nicht halt.

       

      Herbst 1998               Abrissbeginn Altbau    Pilsner Bierstube...                                                 einige Tage später...

Bis zum Frühjahr 1999 blieb nichts mehr vom einstigen Hotel übrig.

Stück für Stück verschwand ein Teil Mühlhäuser Gastronomiegeschichte. Erst ging es dem Altbau in der Erfurter Straße an die Substanz, später wurde Etage für Etage des Plattenbaus abgetragen.

     

   Hofseite                                                           Südseite                                                                            Eingangsbereich                             Herbst 1998

Das zeitweise höchste Haus von Mühlhausen mit seinen immerhin 6 Etagen wurde mit jedem Tag kleiner.

 

       

      Untermarktseite                                                                                                                                                                                     Winter 1998/99

   

   1998/99 Blickrichtung Nord-West zur Röblingstraße                             1998/99 Blickrichtung Süd zur Erfurter Straße

    

    1999 Restaurantbereich Plattenbau                                                              Eingangsbereich

     

     Frühjahr 1999 Plattenbau                                                                            Reste des ehem. Restaurants

        

      Frühjahr 1999 letzte Reste des Altbaus...                                                                                            und des Plattenbaus

Zuletzt kamen die Planierraupen. Das stolze Hotel Stadt Mühlhausen war dem Erdboden gleich.

        

       Frühjahr 1999 Blickrichtung Ost (Erfurter Straße)                                Blickrichtung Nord (Röblingstraße)

       

       Frühjahr 1999 Blickrichtung Nord (Untermarkt-Röblingstraße)        Blickrichtung Westen (Untermarkt)

Was darauf folgte war ein Repäsentativbau der Sparkasse, der das gesamte Areal  zwischen Erfurter- und Röblingstraße einnimt und weder optisch noch Farblich zu einem Altstadtmarktplatz passen will.

                                                           

Aber auch daran werden sich die Mühlhäuser irgendwann einmal gewöhnen. Genau so, wie sie es 1969 nach dem Neubau des Hotels Stadt Mühlhausen getan haben.

     Zum Vergleich hier noch einmal drei Aufnahmen von etwa der gleichen Stelle fotografiert.

     

  1952                                                                                 1972                                                                       2012

 

          Hotel "Grüne Linde"        

 

Einen weiteres Mühlhäuser Traditionshotel war die "Grünen Linde" in der Görmarstraße. Auch deren Geschichte reicht weit in die Vergangenheit zurück. Ihren Namen hatte die "Linde" - wie sie in MÜhlhausen genannt wurde - von der ehemaligen Gerichtslinde, die auf dem Platz vor dem Hotel, das damals noch ein normales Gasthaus war, gestanden hat. Auch der Straßenname war damals nicht Görmarstraße sondern "Unter der Linde".

Zur Geschichte:

Seit 1720 wird in der Straße "Unter der Linde" ein Gasthof erwähnt. Da hier aber die so genannte Gerichtslinde stand, Menschen sich versammelten und die Straße eine direkte Einfallstraße aus Richtung Norden und Nordwesten war, kann man von einer noch früheren Gastwirtschaft an dieser Stelle ausgehen. Als "Grüne Linde" stand die Gerichtslinde Pate. Der Gasthof wurde bis 1902 als Gasthaus mit Fremdenzimmern betrieben. Nach 1902 erfolgte der Ausbau zum Hotel. Von Anfang an wechselten die Pächter sehr häufig, Eigentümer war aber bis 1938 die Reichsquell - Brauerei Mühlhausen.

    

    Hotel "Grüne Linde" um 1940                                            Außenansicht      und Gastraum

Nach dem Krieg 1945 geschlossen, wurde das Hotel 1952 von der HO übernommen und betrieben. Nach Renovierung der Bierstube eröffnete 1973 die neu gestaltete Fischerstube. 1990 wurde die "Grüne Linde" geschlossen. Zuvor waren aber noch vietnamesische Gastarbeiter, die vor allem in der Kammgarnspinnerei und dem VEB "Mülana" eingesetzt waren, hier untergebracht.

     

  die "Linde" in der Görmarstraße                        1966                                           1970                                                                                                   1979                

Nach der Schließung des Hotels 1990 mietete sich ein Schuhhaus in die Räume ein, das auch für den Abriss und den Neubau  verantwortlich ist. Kurz vor dem Abriss 1998 entstanden diese drei Bilder.

           

der Abriss

 

Leider war der Abriss der "Linde" eine bauliche Notwendigkeit . Bei Umbauarbeiten Ende des 19., Anfang des 20. JH wurde die tragende Decke des alten Gewölbekellers abgetragen und der Raum verfüllt aber nicht genug verdichtet. Die Stabilität des gesamten Baues wurde dadurch langfristig so negativ beeinflusst, das ein Abriss früher oder später erfolgen musste.

         

     Sommer 1998

         

         Sommer 1998

     

    Sommer 1998 - Blick zur Straße "Unter der Linde"                                                                                  Görmarstraße

Optisch hat der Neubau wieder die gleichen Grundzüge wie der Altbau und trägt auch den Namen "Grüne Linde" deutlich sichtbar auf der Fassade.

  

    Nordseite Görmarstraße mit "Linde - Neubau" 2012

 

 

  > Hennebergs Felsenkeller <

                              > Schweizergarten < 

 

Ein kleines Gasthaus steht als nächstes auf unserem Programm. Er befand sich an der Ecke Eisenacher Straße - Martinistraße. Den alten Mühlhäusern ist es als "Die letzte Träne" bekannt. Einst war "Hennebergs Felsenkeller", wie er damals richtig hieß, jedoch eine recht große Gastwirtschaft mit Saal, Kegelbahn und großem Biergarten.

                                                               

                                                                                             Hennebergs Felsenkeller um 1912

                                                zur Geschichte:

Am Abhang der Eisenacher Straße entstanden oberhab des alten Friedhofes mehrere Felsenkeller. Unterirdische Bierkeller, in denen das Bier der verschiedenen mühlhäuser Brauereien gekühlt eingelagert wurde.
1872 hatte hier der Brauereibesitzer Henneberg seinen zweiten Felsenkeller bauen lassen, über dem dann um 1892 die gleichnamige Saalgaststätte entstand.
"Hennebergs Felsenkeller" mit seinem großen Saal, einer Kegelbahn und einem schönen Biergarten, wurde ebenfalls zum beliebten Treffpunkt der Mühlhäuser.

Ein zeitbedingter Irrtum:

> Grägers Türmchen <

Oft wird Hennebergs Felsenkeller mit Grägers Türmchen verwechselt. Das passierte nicht nur mir sondern auch einschlägigen Historikern, Mühlhausen-Kennern und Buchautoren. Das liegt warscheinlich an der Zeit oder an der gewissen ähnlichkeit der Objekte und der räumlichen Nähe. "Hennebergs Felsenkeller" gehörte zur Eisenacher Straße und trug die Hausnummer 16. Grägers Türmchen stand genau gegenüber auf der Martinistraße (heute Firma "Reifen Burian") und hatte da die Hausnummer 1. Dieses Gebäude entstand um 1890, etwa zur selben Zeit, in der auch Hennebergs Felsenkeller zur Saalgaststätte erweitert wurde.

    

                                                     Grägers Türmchen (Martinistraße 1) um 1915                                                                         

Der Turm, der auf dem Foto von 1915 noch zu sehen ist, war eigentlich für Kaiser Wilhelm II. errichtet worden, der von hier das Kaisermanöver bei Mühlhausen überblicken sollte. Aber irgendwie hat das dann nicht geklappt und der Turm wurde nach dem 1.Weltkrieg abgebrochen.

Die gesamte südliche, obere Martinistraße, auch das Wohngebäude mit dem Rest von "Grägers Türmchen", wurde 1946 von der Sowjetarmee beschlagnahmt und bis zu deren Abzug nach der Wende als Offizierswohnungen genutzt. Zuvor wurden dort Umsiedler untergebracht.

der Abriss

     

1996  Reste von "Grägers Türmchen" werden "zurückgebaut", der Turmsockel wird mit Hämmern abgebrochen

Im Winter 1996 wurde auch dieses Objekt nach langem Leerstand abgerissen.

    

 1996 Abriss "Grägers Türmchen" mit angrenzendem Wohnhaus

 

  Panoramabild - Abriss "Grägers Türmchen" Martinistraße 1

Heute ist an seiner Stelle der Firmenparkplatz von der Firma "Reifen - Burian".

                                 

                                              1997 - ehem. Standort von "Grägers Türmchen"

Auf dieser Karte ist die Lage beider Ojekte zu sehen.

 

Zurück zu "Hennebergs Felsenkeller":

Das Gartenlokal wurde 1910 in "Schweizergarten" umbenannt. Nach 1945 beschlagnahmte die Rote Armee auch dieses Objekt, was dem Zustand nicht gerade zuträglich war. Später wurde es als Gastwirtschaft weiter geführt und der angrenzende, ehemalige Saal als Turnhalle für mühlhäuser Sportvereine genutzt. Ab Mitte der 1970er Jahre stand das Ojekt leer und verfiel.

                                                            

                                                                                                         Schweizergarten um 1970

       

      der Schweizergarten nach der Wende 1989/90                                     2015

der Abriss

2004 wurde das bereits baufällige Haus abgerissen, viele der alten Bäume im ehem. Biergarten gefällt und es entstanden mehrere Einfamilienhäuser.

        

       Abriss 2004

      

                                                                                                            der ehem. Standort 2015

                         Blick vom Stadtberg (Spielberg) auf Mühlhausen

Haus des Handwerks

 

                        Stadtberg         

 

Wenn man als Mühlhäuser an den Stadtberg und das Haus des Handwerks (HdH) denkt empfinden die meisten etwas Wehmut aber vor allem, auch heute noch, Wut und Ärger. Mit dem Heißabriss des HdH wurde eine der schönsten Naherholungsgaststätten der Stadt zerstört und... Brandursache und vermutliche Täter sind bis heute nicht ermittelt.

        1920

Schafwarte, Kunzes Türmchen, Spielberg - Restaurant, Lazarett, Stadtberg-Gaststätte, Umsiedler-Unterkunft, HdH,

Brandruine

      

      Stadtberg-Gaststätte als Kriegslazarett                                        1915      wieder eröffnete Stadtberg-Gaststätte                                1923

Die "Stadtberg - Geschichte":

 

                14. JH        Bau der Schafwarte

                  1721        Umbau der Warte

            um 1830        Abriss der Warte und Bau einer Gaststätte ("Kunzes Türmchen")

                  1862        Eröffnung des Spielberg - Restaurants"

     17. Juni 1865        "Kunzes Türmchen" brennt

    Oktober 1865        Neueröffnung der Gaststätte nach Wiederaufbau

                  1866        Bau von Saal, Vorbau und Teppenhausturm

                  1867        Umbenennung in "Schneiders Etablissement am Spielberg"

                  1880        Umbenennung in "Stadtberg - Gaststätte"

                  1890        Vergrößerung des Saales

                  1893        Mau einer Musikhalle

                  1905        Verkauf an die Thuringia - Brauerei und Anbau am

                                  westlichen  Gebäudeteil

             1913/14       Unterbringung der 11. Kompanie des III. Bataillons

                                  vom Infanterie - Regiment 167

                   1915       Kriegslazarett

                   1927       Bau einer Glasveranda im Nordteil

                   1928       Abriss der Musikhalle und Bau des Musikpavillons

                   1943       Deckungsgräben werden im Gartenbereich angelegt

       Anfang 1945       kriegsbedingte Schließung der Gaststätte

             1945/46       Unterbringung von Umsiedlern

                   1946       Wiedereröffnung der Gaststätte

                   1948       Übernahme durch das Kommunal - Wirtschaftsunternehmen

                   1950       Einzäunung des gesamten Grundstückes

                   1955       Einbau einer Hängedecke im Saal

                   1965       Übergabe der Gaststätte (unter HO - Leitung) an die

                                  Handwerkskammer

                                  Namenswechsel in "Haus des Handwerks" (HdH)

      Oktober 1966       Beginn des Um- und Ausbaus

       20. Juli 1968       Übergabe des neu gestalteten "Haus des Handwerks"

        bis 1991/92       das  HdH am Stadtberg ist eines der beliebtesten Gaststätten der Stadt

           März 1992       der "Stadtberg" wird geschlossen

              bis 1995       Leerstand

  22. August 1995      das "Haus des Handwerks" brennt nieder

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    Haus des Handwerks - Terrassenaufgang und Eingang...                      Restaurant mit Panoramaglasscheiben                                        1972

                              

               HdH-Terrasse mit Stadtblick            1972                              Stadtaufgang und HdH-Terrasse                                  um 1975

 22. August 1995

 

 

nach dem Brand:

Die folgenden Bilder wurden von einem Privatfotografen kurz nach dem Brand aufgenommen und zeigen die Ruine innen und außen.

        

       Nordseite - Stadtaufgang                                                                              Nordseite vom Fuße des Stadt-(Spiel-) berges aus

                            

                    Terrasse im Sonnenuntergang                                                                 Panoramafenster mit Stadtblick

  

 Südseite (Saal) - Goetheweg                                                                     Nordseite

   

 Ostseite - Biergarten                                                     Musikpavillon

   

  Eingang                                                                                                                 Dach im Saal

       

      Panoramafenster im Restaurant                                                                  Küchentrakt an der Westseite

      

    Biergarten mit Pavillon - Winter 1995/1996                                                2015

Lange dachten die Mühlhäuser, ihr HdH würde wieder aufgebaut. Gestützt wurde dieser Wunsch durch Gerüchte und vor allem durch folgenden Zeitungsartikel vom 20. 10. 1998.

  

 Zeitungsente oder bewußte Fehlinformation ?

An einen zufälligen Brandausbruch glaubt bis heute eigentlich keiner. Wie bei einigen anderen Liegenschaften in Mühlhausen, für die es schwer war Kaufinteressenten zu finden, ging auch der Stadtberg in Flammen auf - Dadurch als erschlossenes Bauland in allerbester Lage und sicher mit etlichem Gewinn schnell verkauft, wurde aus einem Wiederaufbau der Gastwirtschaft nichts, stattdessen entstanden Eigentumswohnungen. Ob das nicht so geplant war? Ohne den Heißabriss, so glauben viele Mühlhäuser, wäre nie eine Abrissgenehmigung für das HdH und eine Baugenehmigung für Wohnungen erteilt worden.

Es sei wie es sei, im Winter 2000-2001 rückten die Bagger an und beseitigten die letzten Überreste des HdH auf dem Spiel- bzw Stadtberg.

der "Rest"-Abriss

       

  2000/2001                                                                                                           2015

       

    2000/2001

      

  2000/2001

       

     2000/2001

        

     2000/2001

20 Jahre nach dem Brand erinnern sich nur noch wenige an das schöne Objekt, die gute Küche oder die Tanzveranstaltungen ob im Saal oder in der Tanzbar. Aber, es wird auf dem ehem. Stadtberg - Grundstück schon wieder gebaut - keine Gaststätte mit Stadtblick für alle, kein Biergarten, kein Saal, nein - Eigentumswohnungen mit dem besten Blick über die Stadt für ein paar wenige in einem eingezäunten Grundstück.

    

Hotel "Deutsches Haus"

      > Hotel " Haus Europa" <    

An der Kreuzung Wanfrieder Straße - Bastmarkt - Nikolaikirchgasse stand bis 2002 das Hotel "Deutsches Haus", später "Haus Europa". Es war ein eher unbedeutendes Hotel, gehört aber in diese Rubrik mit hinein, zumal an seiner Stelle eine der wichtigsten Straßenbauprojekte für Mühlhausen nach langer Zeit verwirklicht wurde, die innerstädtische Umgehungsstraße der B 249.

      

                                                            um 1890                 Hotel "Deutsches Haus"                          um 1930

Auch dieses Haus hat seine Geschichte.

Bis Anfang des 19. JH gab es an der Ecke Wanfrieder Straße/Nikolaikirchgasse eine Schänke, die "Zur Trompete" genannt wurde. 1829 wurde die Gaststätte "Deutsches Haus" gebaut. Diese brennt im Februar 1851 bis auf die Grundmauern nieder. Bereits im selben Jahr wurde mit dem Neubau begonnen. Um etliches erweitert wurde das Haus 1853 wieder eröffnet. Es hieß jetzt "Zum Deutschen Haus" und hatte zusätzlich ein Materialwarengeschäft im Erdgeschoss. Im Jahr 1930 wurde das Haus zum Hotel ausgebaut. Das Geschäft im Erdgeschoss war nun ein Lebensmittelladen. Bis zum Ende des II. WK wurde daas Hotel privat und mit mäßigem Erfolg betrieben. 1949 erhielt das "Deutsche Haus" den Namen "Haus Europa". Bis 1959 noch als Hotel betrieben wurde 1959 der Hotel- und Gaststättenbetrieb eingestellt und zu einem Lehrlingswohnheim der Pädagogischen Hochschule umgebaut. Ab etwa 1985 stand das Haus leer und wurde im Zuge der Straßenbauarbeiten an der B 249 mit den anderen Häusern der Nikolaikirchgasse abgerissen.

Vor dem Abriss entstanden 1998 diese Bilder. Zum Vergleich die gleichen Stellen 2015 in den Aufnahmen daneben.

   1998                           2015

   1998      2015

Als diese Aufnahmen 1998 gemacht wurden stand das Haus bereits fast 13 Jahre leer. Sein baulicher Zustand war marode und für das Haus interessierte sich nicht wirklich jemand. Es war ein Schandfleck und stand nur dem neuen Trassenverlauf der B 249 im Weg. Die logische Schlussfolgerung war der Abriss.
 

   1998                              2015

   1998    2015

Als diese Aufnahmen 1998 gemacht wurden stand das Haus bereits fast 13 Jahre leer. Sein baulicher Zustand war marode und für das Haus interessierte sich nicht wirklich jemand. Es war ein Schandfleck und stand nur dem neuen Trassenverlauf der B 249 im Weg. Die logische Schlussfolgerung war der Abriss.

Zum Verkehrsprojekt > Innerstädtische Umgehungsstraße der B 249 < gehörten, neben der ehem. "Nikolaikirchgasse" und der "Wanfrieder Straße" auch die Straße "Hinterm Neuen Brunnen" und die "Puschkinstraße", die bis 1949 ein Teil der Straße "Hinterm Neuen Brunnen" war und natürlich die "Brunnenstraße".

Den alten Aufnahmen, die aus den Jahren 1963, 1998 und 2002 stammen stehen die Bilder von 2015 gegenüber und zeigen die betreffenden Stellen, wie sie sich heute darstellen.

     

  Puschkinstraße 1 - 2                                                                           1963                                                                                                                   2015

    

  Ecke Nikolaikirchgasse/Hinterm Neuen Brunnen                         1963                                                                                                                   2015

         

  Ecke Nikolaikirchgasse/Hinterm Neuen Brunnen                                      1998                                                                      2015

     

  Hinterm Neuen Brunnen                                                            1998                                                                                                                  2015

  

  "Deutsches Haus" Wanfrieder Straße7Nikolaikirchgasse    1998                                                                                                               2015

 

der Abriss

2002 rückten die Bagger und Baufahrzeuge an, rissen die Häuser der Nikolaikirchgasse und das ehem. Hotel ab und schafften damit Baufreiheit für die neue Straße.

    

                                                                 2002                            Nikolaikirchgasse                              2015

     

  Nikolaikirchgasse mit Blick zum Bastmarkt                          2002                                                                                                          2015

   

  Wanfrieder Straße/Nikolaikirchgasse                                                   2002                                                                                                                2015

Nachdem Jahrzehnte lang der gesamte Verkehr der F bzw. B 249 durch die Unterstadt geflossen ist und besonders in der Engstelle am Lenzeplatz Probleme bereitet hat, führt die neue Trasse nun durch die ehem. Nikolaikirchgasse über die Brunnenstraße. Damit war das ruhige Nebenstraßenleben für die Anlieger der Brunnenstraße allerdings vorbei. Sie mußten sich an den Hauptstraßenlärm gewöhnen, wie die Anlieger der Erfurter Straße, des Untermarktes, der Felchtaer Straße und der unteren Wanfrieder Straße an die ungewohnte Ruhe.

    

  Wanfrieder Straße/Nikolaikirchgasse                                                  2002                                                                                                                 2015

    

  Nikolaikirchgasse vom Bastmarkt aus                                              2002                                                                                                                 2015

     

  Nikolaikirchgasse                                                                          2002                                                                                                                  2015

Dieser Abriss zeigt, das es nicht unbedingt negativ sein muss, wenn alte Strukturen verschwinden. Städte entwickeln sich weiter und das zieht immer auch bauliche Veränderungen nach sich. Es sollte aber immer, gerade in einer Stadt wie Mühlhausen die seit kurzem den Beinahmen "Mittelalterliche Reichsstadt" führt, genau geprüft werden, ob abgerissen werden muss oder ob es eine andere Lösung gibt. Unsere Stadt hat schon genug an erhaltenswerten Gebäuden eingebüßt, es sollten nicht noch mehr werden.

 

Den Film zu dieser Seite gibt es, mit einem Klick auf den folgenden Button, auch auf You Tube.